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Nahaufnahme eines älteren Mannes mit Brille, Schnauzer, er lächelt.

Mundgesundheit im Alter – weit mehr als schöne Zähne

Gesundes Altern verbinden die meisten mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und geistiger Fitness. Die Mundgesundheit wird hingegen oft vernachlässigt. Dabei zeigen aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen, dass die Gesundheit der Zähne, des Kauapparates sowie des Mundmikrobioms eng mit dem allgemeinen Gesundheitszustand älterer Menschen zusammenhängt.

Das Mundmikrobiom (das orale Mikrobiom, die Mundflora) umfasst verschiedene „gute“ Bakterienarten in unserer Mundschleimhaut. Ist das Verhältnis dieser Mikroorganismen in Balance, schützt es vor Krankheitserregern und stärkt die Immunabwehr. Eine Dysbalance (Dysbiose) birgt das Risiko für Infektanfälligkeit.

Frailty

Frailty beschreibt einen Zustand von Schwäche und Gebrechlichkeit im Alter. Betroffene Menschen haben weniger körperliche Reserven und erholen sich nach Infekten, Krankenhausaufenthalten oder Stürzen nicht mehr so rasch, wie in jüngeren Jahren. Ungewollter Gewichtsverlust, Muskelschwäche und Erschöpfung sind typische Merkmale für Frailty.

Wissenschaftliche Forschungen zeigen den Zusammenhang von eingeschränkter Kaufunktion und verminderter Zungenkraft mit erhöhtem Frailty-Risiko. Eine geringe Anzahl eigener Zähne, insbesondere weniger als 20 natürliche Zähne, sowie auch Mundtrockenheit, Zahn(fleisch)erkrankungen und eine orale Dysbiose (das Ungleichgewicht des oralen Mikrobioms) werden mit Gebrechlichkeit assoziiert.

Viele ältere Menschen mit Zahnverlust, Zahn- oder Zahnfleischschmerzen oder schlechtsitzenden Prothesen vermeiden oft harte und grobe Lebensmittel, wie rohes Obst und Gemüse, Fleisch im Ganzen, Nüsse oder Vollkornprodukte.

Symptome wie Schmerzen, Schwierigkeiten beim Kauen und Schlucken, sowie das Ablehnen von bestimmten Speisen sind häufige Hinweise auf eine eingeschränkte Mundgesundheit und führen nicht selten zu einseitiger Ernährung. In weiterer Folge kommt es zu geringer Nährstoffaufnahme und Gewichtsverlust und schließlich zu Frailty und Mangelernährung.

Kauprobleme und orale Dysbiose → geringere Nahrungsvielfalt → geringere Eiweiß- und Nährstoffzufuhr → Muskelabbau und Gewichtsverlust → Frailty → geschwächte Immunabwehr → Risiko für Mangelernährung und Krankheitsanfälligkeit

Mundbakterien

In den vergangenen Jahren wurde die Wichtigkeit des Darmmikrobioms für die Gesundheit stark publik gemacht. Probiotische Lebensmittel und ballaststoffreiche Ernährung werden hier empfohlen.

Als Wirkungsort für gute Bakterien ist allerdings nicht nur der Darm bekannt – auch der Mundraum stellt ein geeignetes Milieu dar. Das orale Mikrobiom rückt zunehmend in den Fokus der Forschung.

Studien zeigen, dass sich mit zunehmendem Alter die bakterielle Zusammensetzung des oralen Mikrobioms verändert. Einige Bakterienstämme nehmen im Alter ab, andere nehmen zu und damit verändert sich das bakterielle Gleichgewicht. Die Forschenden vermuten, dass diese Veränderungen Auswirkungen auf die Mundgesundheit und möglicherweise auf die allgemeine Gesundheit haben könnten.

Nicht nur das Alter allein ist für die möglichen Veränderungen des oralen Mikrobioms verantwortlich. Häufige Einflussfaktoren sind die allgemeine Mundhygiene, der Speichelfluss, die Ernährung, chronische Erkrankungen und Medikamente sowie das Rauchen. Viele dieser Einflussfaktoren beeinflussen sowohl die Darmflora als auch die Mundflora.

Das orale Mikrobiom unterstützen

Ein gesunder Lebensstil und eine disziplinierte Mundhygiene stellen eine gute Grundlage für ein ausgeglichenes orales Mikrobiom dar. Dies wiederum unterstützt die Immunabwehr und trägt zur allgemeinen Gesundheit bei.

Achten Sie auf Ihre Zähne
Neben gründlichem Zähneputzen ist es auch wichtig, die Zahnzwischenräume sauber zu halten und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen durchführen zu lassen.

Ausgewogene Ernährung
Die Mundflora profitiert von einer säurearmen, ballaststoff- und eiweißreichen Kost (Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, ungesüßte Milchprodukte). Essen Sie regelmäßig probiotische Lebensmittel, wie Milchprodukte, welche gute Bakterien – meist Milchsäurebakterien – enthalten, um die Mund- und Darmflora zu unterstützen. Ergänzend können bei Bedarf probiotische Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt werden – oft in Form von losem Pulver oder Lutschtabletten, auch als Kaugummi erhältlich.

Zucker fördert Karies, säurehaltige und gerbstoffreiche Lebensmittel und Getränke (wie Kaffee und Schwarztee) greifen den Zahnschmelz an. Ein sparsamer Konsum wird angeraten. Bevorzugt zuckerfreie Flüssigkeit trinken – auch immer ein Glas Wasser nach dem Konsum von Kaffee und Schwarztee.

Für einen gesunden Lebensstil werden außerdem mäßiger Alkoholkonsum und Nikotinverzicht empfohlen.

Zusammenfassend kann man sagen:

Die Mundhöhle ist weit mehr als der Ort, an dem Nahrung aufgenommen wird. Der Zahnstatus, die Kaufunktion und das orale Mikrobiom sind eng mit gesundem Altern verbunden. Zahnverlust und funktionelle Einschränkungen im Mund gehen häufig mit Mangelernährung, Muskelabbau und Frailty einher.

Neben regelmäßiger Bewegung und ausgewogener Ernährung sind gesunde Zähne, funktionierendes Kauen und ausreichend Speichel wichtige Bausteine für Lebensqualität, Selbstständigkeit und gesundes Altern.

Text: Claudia Bachmann, Diätologin Häuser zum Leben

Quellen:
Oral Health Determinants of Frailty in Older Adults: An Umbrella Review of Systematic Reviews and Meta-Analyses – PubMed
Differences in oral microbiota between elderly and adults: A systematic review – ScienceDirect
Conrads, Georg: Das orale Mikrobiom – Freund oder Feind? Eine überwiegend naturwissenschaftliche Betrachtung, in: Zahnmedizin up2date, Jahrgang 16, Heft 05, 2022, S. 401–411.

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