„Meinen Job gebe ich nicht her“
Seit fast 27 Jahren arbeitet Nicole Jagodic bei den Häusern zum Leben. Die 42-Jährige hat einen steilen Karriereweg vom Büro-Lehrling zur Teamleiterin in der IT und Abteilungsleiterin im Bereich Häuser und Digitalisierung hingelegt. Wie sie sich Respekt verschafft hat und warum ihr Job alles andere als eintönig ist, steht im achten Teil unserer Arbeitsg’schichten.
Nicole Jagodic ist ein wahres Urgestein der Häuser zum Leben. Dabei ist sie erst 42 Jahre alt. Aber sie arbeitet schon mehr als ihr halbes Leben bei den Pensionisten-Wohnhäusern für die Stadt Wien. Seit 1. August 1999. „Mich kennen hier wirklich alle. Und ich kenne nichts anderes“, sagt Niki. „Ich liebe dieses Unternehmen.“
Die Mutter eines 18-jährigen Sohnes hat eine Bilderbuch-Karriere hingelegt. Vom Bürokauffrau-Lehrling bis zur Teamleiterin in der IT und Abteilungsleiterin im Bereich Häuser und Digitalisierung. Die Arbeit im Büro unterschiedlicher Pensionisten-Wohnhäuser hat ihr Spaß gemacht – vor allem die Nähe zu den Bewohner*innen. Nach ihrer Karenz wurde ihr ein Wechsel in die IT vorgeschlagen. Begeistert war Niki davon nicht. Und eigentlich sollte das auch nur eine Übergangslösung sein. Es kam anders.
Herausfordernde Projekte
Niki übernahm nach und nach Projekte, zunächst kleinere, dann größere, wie die WLAN-Umsetzung in den Häusern. „Das war herausfordernd, ich habe sehr viel lernen müssen.“ Niki wollte alles ganz genau verstehen. „Ich habe Elektriker wahrscheinlich bis zur Weißglut gebracht, weil ich sie so gelöchert habe.“
Niki absolvierte viele Schulungen. 2017 wurde eine Teamleitung für den IT-Servicedesk gesucht. Niki erklärte sich bereit, übergangsweise zu helfen. Sie schrieb ein Konzept, um die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen zu erhöhen. Niki durfte ihr Konzept umsetzen. „Dann bin ich aus der Stelle nicht mehr herausgekommen.“
Ständiges Lernen
Niki hörte nie auf zu lernen und sich weiterzubilden. Sie absolvierte ein unternehmensinternes Karriereprogramm, einen Lehrgang auf der Fachhochschule und einen einjährigen Studienlehrgang. Ihre Abschlussarbeit war zum Thema Virtual Reality (VR) und Demenz. Seit 1. März 2020 leitet sie auch die Abteilung VR-Lab.
In den Häusern zum Leben wird Virtual Reality für unterschiedliche Zwecke eingesetzt, etwa für Bewohner*innen mit Demenz, die durch eine VR-Brille Lieblingsorte und alte Umgebungen erleben können.
Nikis Aufgaben in ihrer Führungsrolle: Auswertungen, Budgetplanung, Rollouts von neuen Produkten, Ressourcen- und Personalplanung, uvm. Aber sie packt auch mit an, wenn es sein muss.
Manchmal kann sie streng sein, „aber nie ungerecht“. Wertschätzung und Gleichberechtigung sind ihr extrem wichtig. „Für mich hat jeder den gleichen Respekt verdient: egal ob Geschäftsführer oder Küchenhilfe.“
Wir sind wie eine kleine Familie.
In ihrem Team ist ihr der Zusammenhalt am wichtigsten. „Wir sind am Servicedesk und im VR-Lab wie eine kleine Familie. Wir haben uns gegenseitig ausgesucht und das ist das Schöne.“
Als Frau in einer von Männern dominierten Branche gibt es mit externen Partnern gelegentlich Missverständnisse. „Manche glauben, ich sei eine Assistentin. Erst im Gespräch bekommt man dann den Respekt.“ Bei den Häusern zum Leben hatte sie diesbezüglich weniger Probleme. „Ich musste mich beweisen, aber ich wurde auch immer unterstützt. Die Kollegen haben gesehen, dass ich an Sachen dranbleibe und nicht lockerlasse. Deswegen hat das gut funktioniert.“
Keine Rückkehr ins Büro
In ein Hausbüro will Niki nicht mehr zurück. „Ich habe festgestellt, dass ich hier, vor allem mit dem VR-Lab, viel mehr für alle Bewohner*innen machen kann.“
An ihrem Job mag Niki die Abwechslung. „Man kommt ins Büro und weiß nie, was einen erwartet. Es kann ein supertoller Tag sein, an dem alles funktioniert, es kann aber auch Chaos pur sein, weil nichts funktioniert.“
Ihren Job will Niki definitiv nicht hergeben. Ich bin seit 2009 in der IT und ich bleibe hier.
Text: Birgit Riezinger