Nahrung ist die erste Medizin
Wenn man in der Google-Suche „Ernährungsberatung“ eingibt, kommen innerhalb von Sekunden 1,9 Millionen Ergebnisse. Aber wie erkennt man, welche davon seriös sind? Diesem Thema wollen wir uns in diesem Teil des Ernährungsblogs widmen.
Wenn unser Haustier krank ist, gehen wir zu Tierärzt*innen. Wenn eines der Lieblingsspielzeuge der Österreicher*innen, das Auto, komische Geräusche macht, fragen wir Mechaniker*innen und nicht Friseur*innen – nur weil diese auch ein Auto haben.
Aus welchem Grund sind wir dann bei uns selbst und bei einem der wichtigsten Themen, dem Essen, nicht so kritisch? Weshalb glauben wir gerne Influencer*innen, dass ihre Empfehlungen richtig sind? Ist es, weil sie uns oft versprechen, dass wir immer gesund bleiben, wenn wir nur eine bestimme Diät einhalten oder beworbene Produkte kaufen? Sollten wir nicht hier auch kritischer sein und uns an die Profis wenden und woran erkenne ich diese?
Beim Thema Ernährung gibt es ein großes Feld an vermeintlichen Expert*innen: Ernährungsberater*in, Ernährungscoach, Ernährungstrainer*in, Fitnesscoach, Life-style-coach, Wellnesscoach, Longevity-Expert*in und viele mehr. Das alles sind keine geschützten Bezeichnungen, dürfen von jedem*r genutzt werden und haben keine Aussagekraft über eine fachliche oder rechtliche Befähigung zur Ernährungsberatung
Beratung / Therapie:
Um die Menschen zu schützen ist seit 2003 die Tätigkeit der „Ernährungsberatung“ reglementiert und darf nur von Ernährungswissenschafter*innen und Diätolog*innen (sowie Ärzt*innen) durchgeführt werden.
- Ernährungsberatung umfasst die Weitergabe von Informationen und ggf. Handlungsempfehlungen in persönlicher und individualisierter Weise, die dazu bestimmt sind, eine gesundheitsorientierte Ernährungsmodifikation anzuregen und diese anzuleiten. Diese Leistung dürfen Ernährungswissenschafter*innen und Diätolog*innen anbieten.
- Ernährungstherapie beinhaltet konkrete individuelle Pläne und verhaltenstherapeutische Maßnahmen in Hinblick auf eine bestimmte Krankheit. Viele Beschwerden und Krankheiten lassen sich durch Anpassungen in der Ernährung in ihrem Verlauf positiv beeinflussen bzw. regulieren. Diese Tätigkeit ist Diätolog*innen vorbehalten.
Das bedeutet, dass eine Beratung von kranken Personen jeden Alters, hinsichtlich ihrer Ernährung ausschließlich Ärzt*innen und Diätolog*innen durchführen dürfen. Ernährungsberatung im Sinne der Prävention, Gesundheitsförderung, Unterstützung bei Sport oder in der Kinderernährung etc. wird auch von Ernährungswissenschafter*innen angeboten.
Keine andere Berufsgruppe ist dazu befugt, auch nicht unter anderen Namen wie „Training“ oder „Coaching“. Nicht reglementiert sind Aktivitäten wie Lehrtätigkeit, Schulungen, Vorträge, Journalismus oder Social Media. Hier ist der kritische Blick auf den*die Anbieter*innen und deren Hintergründe sowie Ziele (Werbung?) hilfreich.
Ernährungswissenschaft / Diätologie:
Beide Berufsgruppen haben eine zumindest dreijährige Ausbildung auf einer Universität oder Fachhochschule. Obwohl große Teile ähnlich sind, gibt es Schwerpunkte, die sich dann in den primären Tätigkeiten (Beratung gesunder Menschen vs. Ernährungstherapie bei Kranken) zeigt.
Ernährungstherapie – wann ist sie sinnvoll?
Der Begriff Diätolog*in wird häufig mit „Diät“ und Abnehmen verbunden. Dabei kommt das Wort „Diät“ aus dem Griechischen und bedeutet „Lebensweise“. Es geht also um viel mehr, als nur Übergewicht zu verlieren.
Das zeigt auch die, für Diätolog*innen im Fokus stehende, multiprofessionelle Zusammenarbeit, gerade bei medizinischen Bedarfen (z.B. Logopäd*innen bei Schluckstörungen, Physiotherapeut*innen zu Mobilisierung, Psycholog*innen bei Essstörungen, Pflegepersonen bei Wunden u.v.m.).
Häufig erfolgt die ärztliche Überweisung zu einem*einer Diätolog*in nur bei Krankheiten wie Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Gicht oder Krebserkrankungen. Das ist, wie bei einem Eisberg, nur der kleine Teil, den wir sehen. Ein anderer Teil wird zwar erkannt, aber häufig wird trotzdem kein*e Diätolog*in hinzugezogen. Dazu gehören Erkrankungen wie Allergien, Magen-, Darm- oder Lebererkrankungen, Verstopfung, Nierenerkrankungen oder Essstörungen.
Eine angepasste Ernährungstherapie kann außerdem bei einer Vielzahl an Erkrankungen helfen, bei denen man vielleicht nicht damit rechnet. Dazu gehören z.B. Depressionen, Lungenerkrankungen, Morbus Parkinson, Stuhlinkontinenz, Bluthochdruck oder Osteoporose.
Untersuchungen zeigen, dass durch eine frühzeitige und adäquate Ernährungstherapie nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen verbessert wird, sondern sogar Kosten eingespart werden können. Für jeden Euro, der in diätologische Betreuung investiert wird, werden vier Euro für Medikamente und Krankenhäuser eingespart.
Folgende Tipps helfen dabei, eine*n kompetente*n Berater*in zu finden:
- Achten Sie auf die vorhandene Ausbildung oder fragen Sie danach – ist diese seriös?
- Diätolog*innen müssen einen Eintrag im Gesundheitsberuferegister haben – online öffentlich einsehbar.
- Arbeitet die Person nach wissenschaftlichen Grundlagen oder werden Heilsversprechen abgegeben, die eine „Wunderheilung“ vermuten lassen?
- Sind die Empfehlungen individuell statt pauschal? Wird auf Ihre persönliche Lebenssituation Rücksicht genommen oder werden nur Standard-Empfehlungen verbreitet? Wird versucht ein bestimmtes Produkt zu verkaufen?
Hinweis: Derzeit sind diätologische Leistungen leider noch selten mit der Gesundheitskasse abzurechnen. Krankenhäuser, aber auch ambulante Einrichtungen der ÖGK und die meisten Primärversorgungseinheiten bieten allerdings kostenfreie Beratungen durch Diätolog*innen für ihre Patient*innen an. Freiberufliche Dätolog*innen sind über die Website des Berufsverbandes zu finden.
Text: Susanne Bayer, Diätologin Häuser zum Leben
Foto: Pixabay
Link: Presseaussendung zum Tag der Diätolog*innen am 11. März 2026
Quellen:
https://www.kma-online.de/aktuelles/medizin/detail/massnahmen-gegen-mangelernaehrung-sparen-kosten-ein-52323
https://www.medinside.ch/mangelernaehrung-fuehrt-zu-laengeren-spitalaufenthalten-20230201
https://www.kup.at/kup/pdf/12688.pdf
Ernährungsblog
Im Ernährungsblog klären die Diätolog*innen der Häuser zum Leben über wichtige Ernährungsthemen auf. Einmal monatlich erscheint ein Blogbeitrag.